NEWSLETTER ABONNIEREN

Offener Brief an Herrn Landeshauptmann Mag. Franz Voves

Thema: Förderstreichungen des Patchwork-Familien-Service inkl. Artikel von Krone-Ombudsfrau Barbara Stöckl

An Landeshauptmann

Mag. Franz Voves persönlich                                                                              

Hofgasse 15
8010 Graz            

                                         

Guten Tag Herr Landeshauptmann!

 

Ich schreibe Ihnen diesen offenen Brief, da viele Menschen aufgrund der Förderstreichungen des Landes Steiermark  beim gemeinnützigen Verein Patchwork-Familien-Service  auf Ihrer Facebook-Seite Appelle geschickt haben und Sie es bisher nicht der Mühe wert gefunden haben, diesen Menschen zu antworten.

Wie Sie wissen, hat nicht nur das Familienressort LRin Mag. Elisabeth Grossmann (SPÖ) als bisheriger Hauptsubventionsgeber unsere komplette Förderung restlos gestrichen, sondern auch Sie aus Ihrem Ressort.

Wie kann es sein, dass Sie 2010 als Landeshauptmann 508.500 Euro (!!!) gleich gefolgt von Familienlandesrätin Grossmann mit 346.000 Euro für PR ausgeben konnten (Quelle: Krone aufgeschlüsselt von LTAg. Schönleitner-Grüne) und angeblich für „Familien im Wandel“ unserer Hilfseinrichtung kein Geld mehr da sei? Das fragen sich viele Betroffene! Da kann doch von "Sparen" in den eigenen Reihen keine Rede sein!!! Politik, die zum Selbstzweck wird, hat versagt!

Ich frage Sie weiters, was die steirische Regierung daran hindert, bei den Sparmaßnahmen sozialverträgliche Lösungen und werteorientierte Prioritäten zu setzen, um abteilungsübergreifend zu agieren und infrastrukturelle Sachausgaben einzustellen, solange es in der Steiermark armutsgefährdete Familien gibt? z.B. Tunnelbau oder Südgürtel (124 Mill.) oder Prestigeprojekte wie die Airpower (800.000 Euro) oder Ski WM (Millionenbeiträge).

Eine Familie, die in finanzielle Not gerät, achtet auch zuerst darauf, die Grundbedürfnisse abzudecken, um "über die Runden zu kommen", bevor die Einfahrt erneuert wird!!!

Die Arbeitsplatz-Argumentation haben wir in allen Bereichen, also auch im Sozialbereich. Da wurden Behinderteneinrichtungen geschlossen und viele Arbeitsplätze von LeistungsträgerInnen im Sozialbereich sind durch das "Sparpaket" verloren gegangen. Ausgerechnet im Sozialbereich -  der für den hohen Wert des sozialen Friedens sorgt -  werden stillschweigend Arbeitsplatzverluste in Kauf genommen? Kommen Sie mir bitte nicht mit „rhetorischen Politsprechfloskeln“, dass Sie das auch schmerzen würde. Glaubwürdige Taten sind gefordert und keine Sonntagsreden!

Finanzlandesrätin Dr. Bettina Vollath (SPÖ) meinte bei einer Konfrontation der Digital-Arena, es sei eine Strategie, keine speziellen Einrichtungen wie unsere zu fördern. Dies steht im krassen Widerspruch dazu, dass sehrwohl spezielle Beratungsstellen gefördert werden ( Drogenberatung, Frauenberatung, Behindertenberatung etc.).

Was ist das für eine fragwürdige angebliche "Strategie", unseren Verein jahrelang zu fördern und dann plötzlich den Hahn komplett abzudrehen?  Und somit hochgradig engagierte 10 jährige bundesweite Pionierarbeit für zum Großteil armutsgefährdete AlleinerzieherInnen und Patchworkfamilien und Aufbauarbeit, die ohnehin zu einem Großteil auf viel unbezahlte Arbeit basiert, mit einem Schlag zu vernichten?!

Diese Argumentation strotzt nur so von Widersprüchlichkeiten und ist mehr als fragwürdig. Es scheint vielmehr so, als würde man im Zuge der Sparmaßnahmen überparteilich agierende, kritische, engagierte Vereine los werden wollen, da wir uns nie  für parteipolitische Zwecke instrumentalisieren ließen, was für eine NGO selbstverständlich sein sollte! Ein bedenkliches Beispiel, wie wenig es oftmals in der Politik um die Bedürfnisse der BürgerInnen, Inhalte und Werte geht, sondern primär um Macht und Machterhalt.

Das Patchwork-Familien-Service, wurde von mir als Vereinsinitiatorin und alleinerziehende Mutter 2002 ins Leben gerufen und wir haben bis Ende 2010 bisweilen 3000 Familien geholfen, mit ihren konflikthaften Situationen besser umzugehen, das primär auch  den Kindern zugute kommt.

Dieses Monat haben wir unsere „Petition gegen Förderstreichungen“ im Landtag eingereicht, die von vielen Institutionen und auch von der Autorin des Buches "Ende des Gehorsams", Journalistin und Mutbürger-Aktivistin Dr. Anneliese Rohrer unterstützt wird.

Ein ca. 90 jähriger Pensionist kam bei der Digital-Arena der Kl.Ztg. anschließend auf mich zu und spendete 100 Euro, als er erfuhr, dass ich mich als Vereinsinitiatorin und alleinerziehende Mutter bereits verschuldet habe, um unser Hilfsangebot nicht einstellen zu müssen und diese unverantwortliche Förderstreichung nicht an Betroffene 1:1 weiterzugeben! Ich wollte es zuerst nicht annehmen, aber er bestand darauf und meinte: "Wir haben es den Frauen zu verdanken, dass es uns gibt, und hauptsächlich Frauen waren es, die nach dem Krieg wieder alles aufgebaut haben.“ 

Ist das nicht rührend?

Um so beschämender für die zuständige Politik, dass ein Rentner, der sicher auch nicht "zuviel Butter am Brot hat",  den Impuls verspürte zu helfen und jene, die für die Streichung verantwortlich sind, sich mit gut bezahltem Posten nur "abputzen" .

Wie können Sie dies als „Landeshäuptling“und Führungskraft  verantworten?

In der Beilage, sende ich Ihnen noch den Artikel der Krone-Ombudsfrau Barbara Stöckl, die fragen lässt, ob es noch ein Weihnachtswunder gibt?

Ich sage Ihnen offen, nach all der Ignoranz, mit der man mir in dieser Causa seit vielen Jahren begegnet ist, glaube ich nicht mehr daran, aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil positiv überraschen, denn dies wäre mal ein großgeistiger Schritt, um durch beherzte TATEN wieder mehr Glaubwürdigkeit in der Politik zu erreichen.

Das Mindeste das ich mir von Ihnen erwarte, mir persönlich – und nicht durch Ihre „Ghostwriter“ auf die oben gestellten Fragen zu antworten.

Ich würde Ihnen gerne einen schönen Advent wünschen, aber es mag mir nicht „über die Lippen kommen“, solange Sie nicht die Größe zeigen, sozial engagierte Menschen nicht mehr zu bestrafen, sondern Ihrer Aufgabe nachzukommen, dafür Sorge zu tragen, dass genug Ressourcen vorhanden sind, um Menschen zu helfen und kreativere Lösungen bei Sparmaßnahmen umzusetzen, ohne  viel (verhinderbares!) Leid damit auszulösen.

 

Mit familienfreundlichen Grüßen             Graz, 2011-12-18

Margit Picher

GF Obfrau

Patchwork-Familien-Service

Verein für Elternteile & Familien im Wandel

(Der offene Brief erging ebenso per Post an obige Adresse)

-----------------------------------------------------------------

Unser "Offene Brief" wurde auch bei derStandard veröffentlicht. Bitte diskutieren Sie mit und sagen Sie Ihre Meinung, was Sie zu der Förderstreichung des Patchwork-Familien-Service und der "Steir. Einsparungspolitik" im Sozialbereich halten.

Hier geht es zum Link derStandard:

derstandard.at/1325486031358/Sparpaket-in-der-Steiermark-Offener-Brief-an-LH-Voves

Krone-Artikel-Ombudsfrau Barbara Stoeckl
Weiterf�hrende Informationen:
derStandard-Veroeffentlichung